Nr. 183

Drei Gründe, weshalb eine Verarbeitungs- und Wahrnehmungsstörung (VWS) entstehen kann

Wer unter einer VWS leidet hat es in alltäglichen Situationen nicht leicht. Aufgrund der VWS können Sinnesreize nicht regelhaft verarbeitet werden und die Reaktion auf sie ist oftmals nicht adäquat. Die resultierenden Verhaltensmuster können für Außenstehende übertrieben wirken, wenn beispielsweise mit großer Angst auf kleine Veränderungen oder mit großem Schmerz auf leichte Hautreize reagiert wird. Nur leider haben die Betroffenen typischerweise keine Handlungsalternativen. Doch wie kann es überhaupt zu einer VWS kommen?

Grundausstattung

Wahrnehmung muss erworben und erlernt werden. Für Erwachsene ist sie im Laufe ihres Lebens allerdings so selbstverständlich geworden, dass sie gerne mal als eine Art menschliche Grundausstattung gesehen wird. Doch zu Anbeginn unseres Lebens muss unser Gehirn erst einmal die richtigen Verschaltungen anlegen, es muss sich an Reize gewöhnen und ihre Verarbeitung trainieren. Für manche Reize beginnt das Training bereits im Mutterleib, für andere erst nach der Geburt.

Vom Reiz zum Gefühl

Um zu verstehen, weshalb VWS-betroffenen so gut wie keine Handlungsalternativen zur Verfügung stehen, werfen wir einen Blick auf die Reizverarbeitung. Das Sinnesorgan muss zunächst in der Lage sein, den Reiz zu empfangen (was bei einer VWS typischerweise funktioniert). Der aufgenommene Reiz muss nun über Nervenbahnen zu Gehirn geleitet werden. Hier erfolgt die Transkription in ein Gefühl. Wird beispielsweise ein Baby liebevoll von der Mutter berührt, registriert die Haut die Berührung, schickt die Information „Mama streichelt mich“ ans Gehirn und das Gehirn macht daraus ein Gefühl von Liebe. Funktionieren Transport und Verarbeitung dieser Information nicht regelhaft, kann es passieren, dass das Gehirn statt Liebe Schmerz erzeugt und das Baby zurückzuckt. Wie gesagt, für Außenstehende ist das seltsam, doch für das Baby die einzig mögliche Reaktion auf den Reiz. Doch wie kann es zu eine VWS kommen?

1. Frühe Trennung

Leider kann es Gründe geben, die eine frühe Trennung von Mutter und Kind nötig machen. Beispielsweise wenn das Kind als Frühchen zur Welt kam und auf die schützende Umgebung in einem Brutkasten angewiesen ist oder wenn es krank ist und getrennt von der Mutter behandelt werden muss oder wenn die Mutter selbst medizinische Fürsorge braucht. Die frühe Trennung kann einerseits eine große emotionale Belastung für das Kind sein, andererseits fehlen ihm dadurch die liebevollen Berührungen seiner Bezugsperson, die es für das Training der Reizverarbeitung aber bräuchte.

2. Übersprungene oder ausgelassene Entwicklungsschritte

Die frühkindliche Entwicklung folgt einem ausgeklügelten Plan. Dabei ist es wichtig, einzelne Entwicklungsschritte in der richtigen Reihenfolge, zur richtigen Zeit und in der richtigen Intensität zu durchlaufen. Leider ist die frühkindliche Entwicklung störanfällig und bereits eine Erkältung oder das erste Zähnchen können ebenso Lücken in den Bauplan reißen wie eine zu hastige Entwicklung. In der Folge kann es passieren, dass Reize nicht richtig weitergeleitet oder beantwortet werden.

3. Bewegungsimpulse

Unser moderner Lebenswandel beding, dass immer weniger Kinder draußen herumtollen, toben und spielen können. Dadurch fehlen ihnen Bewegungsimpulse, die zum Nachreifen der übersprungenen oder ausgelassenen Entwicklungsschritte beitragen könnten. Darüber hinaus wird beim Spiel draußen das zentrale Nervensystem (ZNS) ganz nebenbei trainiert. Das ZNS von Kindern, die über Baumstämme balancieren, auf Bäume Kletten und durch Wiesen kullern ist typischerweise besser ausgebildet und kann daher Reize besser verarbeiten.

Sie sind nicht schuld!

Falls Sie sich jetzt gerade Fragen, ob Sie eventuell einen Beitrag zur VWS Ihres Kindes geleistet haben, entspannen Sie sich. Sie sind nicht schuld! Faktoren, die zu fehlenden Entwicklungsschritte und somit zu einer VWS führen können sind meist sehr komplex und kaum zu beeinflussen. Ich mache in meiner Praxis allerdings die Erfahrung, dass sich diese fehlenden Entwicklungsschritte mit spezialisiertem Training nachreifen lassen. Wenn Sie wissen wollen, ob dieses Training auch Ihrem Kind helfen kann, lernen Sie mich am besten unverbindlich in einem ersten Telefonat kennen. Buchen Sie sich gerne ein kostenfreies 15-minütiges telefonisches Erstgespräch und wir besprechen in Ruhe, wie ich Sie und Ihr Kind unterstützen kann. Den Link zum Erstgespräch finden Sie direkt unter diesem Beitrag.

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