Nr. 224

Eigenverantwortung wird überbewertet

Manchmal, wenn ich mich in meiner Praxis mit Eltern unterhalte, bekomme ich den Eindruck, Eigenverantwortung ist wohl irgendwie aus der Mode gekommen. Egal, ob es darum geht, dass die Kinder pünktlich zum Unterricht erscheinen und zwar mit Frühstück im Bauch und in der Vesperdose oder um die Erstellung der Hausaufgaben oder um die Vorbereitung auf die nächste Klassenarbeit, ja selbst um die Vorbereitung auf den nächsten Wettkampf im Sportverein, oder, oder, oder. In manchen Familien begreifen sich die Eltern tatsächlich als eine Art Wunscherfüller in Personaleinheit mit dem Generalverantwortichen. Egal worum es geht, die Eltern kümmern sich, dass das Leben für das Kind, zumindest nach außen, reibungslos läuft. Im innern Zirkel knirscht es dagegen oftmals ordentlich. Denn Pünktlichkeit, Hausaufgaben, Vorbereitung auf Klassenarbeiten ebenso wie Essgewohnheiten bieten reichlich Konfliktpotential. Schon erst recht, wenn die Eigenverantwortung des Kindes als überbewertet empfunden wird.

Wie es die Eltern sehen

Typischerweise machen sich Eltern Sorgen um die Zukunft ihres Kindes. Wie soll es denn jemals eine gute Arbeit finden, wenn es jetzt schon an der nächsten Klassenarbeit scheitert? Und wie soll es jemals gute Noten schreiben, wenn es die Hausaufgaben nicht gewissenhaft erledigt? Und wie soll es später einmal zur Arbeit gehen können, wenn es heute den Schulweg nicht alleine und schon gar nicht pünktlich schafft? Bevor etwas außerplanmäßiges passieren kann, nehmen diese Eltern das Zepter, und damit auch die Verantwortung, in die Hand und regeln den Alltag ihres Kindes. Sie wecken pünktlich, schmieren Brote, fahre zur Schule, holen wieder ab, kontrollieren Hausaufgaben und Lernerfolg und alles, was ihrer Meinung nach sonst noch so kontrolliert werden muss. Den Eltern gibt es ein Gefühl von Sicherheit, auch wenn es häufiger mal Streit mit dem Kind gibt. Schließlich erfüllen sie die gesellschaftlichen Erwartungen an ihre elterliche Verantwortung.

Wie es die Kinder sehen

Bis zu einem gewissen Grad ist es für ein Kind natürlich recht bequem, wenn die Eltern alles regeln. Allerdings kann sich bei einem überbehüteten Kind auch schnell das Gefühl breit mache, eh nichts gegen den Willen der Eltern unternehmen zu können. Weshalb manche rebellieren und täglich streiten, andere sich anpassen und ihre eigenen Bedürfnisse übergehen. So oder so ist das für das Selbstbewusstsein des Kindes alles andere als förderlich. Ein Gefühl der Ohnmacht und der Hoffnungslosigkeit kann entstehen, denn egal was es macht, das Kind darf nichts alleine tun.

Wie ich es sehe

Ich ermutige Eltern, die Verantwortung so weit als möglich, dem Kind zu übertragen. Natürlich ist dabei immer das Alter sowie der individuelle Entwicklungsstand des Kindes zu berücksichtigen. Dennoch liegen viele Dinge nicht in der Verantwortung der Eltern. Nehmen wir beispielsweise die Hausaufgaben. Ich habe noch nie gehört, dass die Eltern morgens im Unterricht nach den Hauaufgaben gefragt werden. Wie auch. Das Kind hingegen schon. Das Kind weiß auch, im Gegensatz zu den Eltern, was genau bis wann und in welcher Form aufgegeben wurde. Folglich obliegt es der Verantwortung des Kindes, die Hausaufgaben ordnungsgemäß und pünktlich zu machen. Für Hausaufgaben können Kinder schon recht früh die Verantwortung übernehmen. Für andere Dinge braucht es vielleicht ein wenig länger.

Was ich damit nicht meine

Keinesfalls ermuntere ich Sie als Eltern dazu, ihr Kind sich selbst zu überlassen! Sie als Eltern haben die Aufgabe, ihr Kind großzuziehen und zu beschützen, keine Frage. Ich weiß nur auch um die Bedeutung der Eigenverantwortung für eine gute Entwicklung. Die ist selbst dann elementar wichtig, wenn Ihr Kind aktuell vielleicht sehr impulsiv oder unkonzentriert ist oder von Alltagsaufgaben übermannt wird oder trotz guter Intelligenz Lernschwierigkeiten hat. Hinter diesen Auffälligkeiten können Wahrnehmungsdefizite stecken, die die Eigenverantwortung nicht immer leichter, dafür aber umso wichtiger machen.

Wie ich Sie unterstützen kann

Ich biete in meiner Praxis Eltern individuelle Unterstützung, besonders bei Alltagsproblemen und Konflikten im sozialen Umfeld. Ihren Kindern, die unter Wahrnehmungsdefiziten leiden, biete ich spezialisierte Therapiekonzepte, die Defizite nachreifen lassen können. Wenn Sie wissen wollen, ob damit auch Ihrem Kind geholfen werden kann, lernen Sie mich am besten unverbindlich in einem ersten Telefonat kennen. Buchen Sie sich gerne ein kostenfreies 15-minütiges telefonisches Erstgespräch und wir besprechen in Ruhe, wie ich Sie und Ihr Kind unterstützen kann. Den Link zum Erstgespräch finden Sie direkt unter diesem Beitrag.

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