Nr. 220

Lernblockade oder Underachievment?

Eltern kennen das: Eigentlich dachte man, man hätte die Schule hinter sich gelassen. Doch dann wird das eigene Kind plötzlich sechs und schwups findet man sich wieder mit Schulthemen konfrontiert. Solange das Kind Schule zu seinem Hobby macht, fleißig lernt, gute Noten schreibt und im Unterricht nur positiv auffällt, ist Schule gewiss nur ein Randthema. Allerdings sind diese Fälle wohl doch eher handverlesen. In meiner Praxis erlebe ich häufig das Gegenteil. Aus irgendwelchen Gründen will der Schulstoff einfach keinen dauerhaften Weg in den Kopf finden. Häufig wird dann, seitens der Schule, von Lernblockaden oder (Teil-)Leistungsschwächen gesprochen. Und ja, die Symptomatik ist sich zum verwechseln ähnlich. Gerade deshalb lohnt sich ein genauer Blick, ob hinter der vermeintlichen Lernblockade nicht doch ein Underachievment-Thema steckt. Was Underachievment überhaupt ist, wie es sich von einer klassischen Lernblockade unterscheidet und welche Ursachen dafür verantwortlich sein können, erfahren Sie in diesem Beitrag.

Underachievment vs. Lernblockade

Underachievment beschreibt das Phänomen, dass Kinder und Jugendliche, trotz guter, oft sogar überdurchschnittlicher Intelligenz, hinter den zu erwartenden Potentialen zurückbleiben. Oder ganz salopp formuliert: Das Kind ist eindeutig klug genug, überdurchschnittlich gute Noten zu schreiben, kämpft aber dennoch jedes Jahr um seine Versetzung. Eltern und Lehrkräfte haben schon alles versucht. Vergeblich. Das Problem beim Underachievment ist häufig, dass das Kind, irgendwann in seiner Schullaufbahn, extrem unterfordert war. Im kindlichen Unterbewusstsein kann sich ein tückischer Trugschluss manifestieren: Wenn alle denken, ich sei blöd, tue ich eben so, als ob. Meiner Erfahrung nach sind diese Kinder übrigens eher frustriert als trotzig. Und nur, falls Sie jetzt einwenden wollten, dass diese innere Haltung ja auch irgendwie eine Lernblockade ist, ja, streng genommen ist sie das. Leider macht das die Differenzierung noch schwerer. Für erfolgreiche Lösungsansätze ist diese Unterscheidung dennoch wichtig. Underachiever brauchen andere Unterstützung. Bei ihnen ist es besonders wichtig, sie im außerschulischen Bereich, gemäß ihren ganz eigenen Neigungen, kognitiv auszulasten. Oftmals müssen mehrere Ansätze verfolgt und ausprobiert werden, bis eine individuelle Beschäftigung gefunden ist. Ein weiterer Aspekt ist, dass sich Underachiever häufig als nicht richtig und irgendwie sonderbar empfinden. Daher kann ihr Selbstwertgefühl herabgesetzt sein. Dieses wieder aufzurichten ist meines Erachtens ein weiterer wichtiger Aspekt.

Gemeinsamkeiten

Da sowohl klassische Lernblockaden als auch Unerachievment Gemeinsamkeiten haben können, ist ihre Unterscheidung so schwer. Denn bei beiden kann sich eine gewisse Vermeidungs- und Verweigerungstaktik zeigen. Bei beiden lassen sich Prüfungsangst und Blackouts beobachten. Beide können häufig verträumt, abwesend und unkonzentriert wirken. Und beide können neben Schulunlust und Schulangst diffuse Symptome wie Kopf- und Bauchschmerzen erleiden.

Neurodivergenz und Ursachenforschung

Seit einiger Zeit werden verschiedene neurophysiologische Auffälligkeiten unter dem Begriff der Neurodivergenz zusammengefasst. Ja, natürlich arbeitet jedes Gehirn auf seine ganz eigene Weise. Das liegt einerseits daran, dass jeder Gehirnbesitzer seine ganz eigenen Erfahrungen macht. Andererseits hängt es von der Qualität der Wahrnehmungsverarbeitung ab. Denn jeglicher Sinnesreiz muss kognitiv verarbeitet und, salopp formuliert, in ein Gefühl übersetzt werden. Somit lebt jeder in seiner ganz individuellen Gefühlswelt. Wird beispielsweise eine harmlose Berührung der Haut in einem Gefühl von Angst interpretiert, sind die Handlungsalternativen stark eingeschränkt. Egal, wie harmlos die Situation objektiv betrachte ist. Von defizitärer Wahrnehmungsverarbeitung sind ganz besonders hochbegabte Kinder betroffen, so meine Erfahrung. Unabhängig von der Intelligenz entstehen die Probleme typischerweise in der frühkindlichen Entwicklung. Werden die physiologischen Entwicklungsphasen nicht oder nicht ausreichend durchlaufen, weil sie beispielsweise durch eine Erkältung gestört werden, können einzelne Entwicklungsschritte fehlen.

Individueller Lösungsansatz

Ich mache in meiner Praxis die Erfahrung, dass sich diese fehlenden Entwicklungsschritte mit spezialisierten Therapiekonzepten nachreifen lassen. Eltern berichten mir von einer Verbesserung der Situation nach wenigen Therapieeinheiten. Wenn Sie wissen wollen, ob damit auch Ihrem Kind geholfen werden kann, lernen Sie mich am besten unverbindlich in einem ersten Telefonat kennen. Buchen Sie sich gerne ein kostenfreies 15-minütiges telefonisches Erstgespräch und wir besprechen in Ruhe, wie ich Sie und Ihr Kind unterstützen kann. Den Link zum Erstgespräch finden Sie direkt unter diesem Beitrag.

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