Nr. 231

Mama, mir ist sooo langweilig!

Eltern kennen das: „Mama, mit ist sooo langweilig!“, manchmal auch „Papa, mit ist sooo langweilig!“ Das ist die große Schwester von „Wann sind wir endlich da?“, kaum dass man auf dem Weg in den Urlaub in die nächste Querstraße eingebogen ist. Dabei ist Langeweile sehr viel besser als ihr Ruf. Weshalb ich Langweile durchaus wichtig finde und was Langeweile uns alle lehren kann, erfahren Sie in diesem Beitrag.

Unangenehme Gefühle vermeiden

Wir alle sind darauf „programmiert“, unangenehme Gefühle zu vermeiden. Das ist blanker Selbstschutz! Denken Sie nur an die heiße Herdplatte. Da ist es doch äußerst sinnvoll, dass wir das unangenehme Gefühl der Verbrennung vermeiden. Und auch wenn Langeweile nun definitiv keine heiße Herdplatte ist, so ist sie eben doch ein eher unangenehmes Gefühl. Uns zu langweilen ist nun mal nicht das, was wir in diesem Moment wollen. Deshalb versuchen wir, der Situation zu entkommen. Meist mit einem schnell verfügbaren Dopamin-Kick, wie ihn beispielsweise soziale Medien bieten. Da kann man flugs von einem Video zum nächsten Wischen und so der Langeweile ein Schnippchen schlagen. Das haben meist Grundschüler schon gelernt.

Weshalb es sich lohnt, Langeweile auszuhalten

Wer der schnellen Exit-Strategie widerstehen kann, trainiert nicht nur seine Frustrationstoleranz. Wer nicht sofort dem ersten Impuls nachgibt, sucht nämlich nach weitern möglichen Lösungen, der Langeweile zu entkommen. Das wiederum ist eine ganz wichtige Kombination. Denn, wie der Volksmund so schön sagt: „Das Leben ist kein Ponyhof!“ Wer also in der Lage ist, ein gewisses Maß an Frust zu ertragen, ohne sofort aus der Haut zu fahren, die Flinte ins Korn zu schmeißen oder wie ein kleines Kind beleidigt zu schmollen sondern stattdessen noch klare Gedanken fassen und Lösungen suchen kann, hat einen ganz klaren Vorteil. Es lohnt sich also, wenigstens hin und wieder, die Langeweile auszuhalten.

Die Pausen-Chance nutzen

Wer schon geübt ist mit der Langeweile, der hat vielleicht irgendwann entdeckt, dass Langeweile eine ganz wunderbare Chance für eine kleine, bewusste Pause ist. So zu sagen die Pausen-Taste des Alltags. Nutzen Sie die Gelegenheit doch einfach für ein paar bewusste Atemzüge, einen entspannten Blick aus dem Fenster, eine Tasse Tee oder dafür, sich mal wieder so richtig ausgiebig zu strecken. Na, finden Sie Langeweile immer noch doof?

Nur was antworten Sie Ihrem Kind?

Bevor Sie nun Ihrem Kind reflektorisch Vorschläge machen, die gegen seine Langeweile helfen könnten, geben Sie Ihm doch die Chance, eigene Lösungen zu finden. Das schult nicht nur seine Frustrationstoleranz, Lösungskompetenz und seinen Ideenreichtum, sondern gibt ihm auch das Gefühl der Selbstwirksamkeit. Lassen Sie das Problem also gerne dort, wo es hingehört. Bei Ihrem Kind. Anstatt gleich mit „Du könntest ja …“ zu antworten, versuchen Sie doch einmal mit „Ich kann verstehen, dass dir das nicht gefällt. Was planst du zu tun?“

Manchmal steckt mehr dahinter: Mögliche Ursachen für geringe Frustrationstoleranz und mangelnde Impulskontrolle

Geringe Frustrationstoleranz und mangelnden Impulskontrolle sind, meiner Erfahrung nach, wie Siamesische Zwillinge. Nicht immer muss der Kontext ein ADHS sein. Typischerweise stecken hinter solchen (für Eltern zugegebenermaßen äußerst anstrengenden) Auffälligkeiten Defizite in der Wahrnehmungsverarbeitung, die sich im Alltag sehr vielfältig äußern können. Dahinter stecken meist unzureichend durchlaufene oder ausgelassene Entwicklungsschritte. Ich mache in meiner Praxis die Erfahrung, dass sich diese fehlenden Entwicklungsschritte mit spezialisierten Therapiekonzepten nachreifen lassen. Wenn Sie wissen wollen, ob damit auch Ihrem Kind geholfen werden kann, lernen Sie mich am besten unverbindlich in einem ersten Telefonat kennen. Buchen Sie sich gerne ein kostenfreies 15-minütiges telefonisches Erstgespräch und wir besprechen in Ruhe, wie ich Sie und Ihr Kind unterstützen kann. Den Link zum Erstgespräch finden Sie direkt unter diesem Beitrag.

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