Nr. 177

Schreibschrift – eine Frage der Intelligenz?

„Du bist doch nicht dumm, du kannst das doch!“ oder „Stell dich doch nicht dümmer als du bist!“ sind Sätze, die Kinder häufig zu hören bekommen, wenn sie sich mit dem Erlernen der Schreibschrift schwer tun. Egal ob von Eltern oder Lehrkräften. Doch damit steigt nur der Frust der Kinder. Zumeist ist es weder Dummheit noch Faulheit, weshalb sich manche Kinder mit der Schreibschrift so schwer tun. Was dahinter stecken kann lesen Sie in diesem Beitrag.

Schriftspracherwerb

Das Erlernen der Schriftsprache ist komplex. Komische Hieroglyphen (später dann bekannt als Buchstaben) müssen Lauten zugeordnet werden. Aus den Lauten müssen Worte gebildet werden, später auch ganze Sätze, deren Sinn erschlossen werden muss. Hier lauter schon die erste Hürde für manche Kinder. Aus unterschiedlichen Gründen bleibt ihnen das Entschlüsseln der Hieroglyphen ein Geheimnis, weshalb sie sich nicht mit Lesen und Schreiben gleichermaßen schwer tun. Der sichere Umgang mit der Druckschrift ist jedoch die Grundlage für den Erwerb der Schreibschrift.

Visuomotorische Koordination

Die visuomotorische Koordination, auch bekannt als Auge-Hand-Koordination, ist ein entscheidender Faktor für die Schreibschrift. Nur wenn die Augen in der Lage sind, die Hand richtig zu führen, sind die Schwünge der Schreibschrift möglich. Kinder, die hier Schwierigkeiten haben, fallen oft schon vorher durch Ungeschicklichkeit auf. Sie gießen daneben, wenn sie Wasser ins Glas einschenken oder greifen daneben, wenn sie versuchen, einen Ball zu fangen. Sie mögen keine Puzzles und tun sich schwer, Dinge nach Farben und Formen zu sortieren.

Visuelle Verarbeitungs- und Wahrnehmungsstörung

Glücklicherweise ist die visuelle Verarbeitungs- und Wahrnehmungsstörung (VWS) mittlerweile bekannter geworden. Dennoch wird nach wie vor in erster Linie überprüft, ob die Sehschärfe ausreichend, oder eine Brille nötig ist. Die Sehschärfe ist jedoch nur ein Teil der visuellen Wahrnehmung. Für gute Seheindrücke braucht es ein harmonisches Zusammenspiel der Grundfunktionen der Augen. Dazu gehört auch die Arbeit der Augenmuskeln, die die Augen geschmeidig bewegen können müssen. Darüber hinaus muss der Seheindruck im Gehirn regelhaft bearbeitet werden, damit alles rund läuft. Kommt es hier zu Verarbeitungs- und Wahrnehmungsstörungen kann der Seheindruck deutlich von der Vorlage abweichen.

Motivation, Ausdauer und Konzentration

Auch ganz ohne ADS oder ADHS braucht es für die Schreibschrift einige Anstrengung. Sowohl Mädchen als auch Jungs brauchen Ausdauer, Motivation und Konzentration für die Schreibschrift. Die Schwünge erfordern zumindest ein sich darauf einlassen, wenn nicht sogar ein klein wenig Hingabe. Meiner Erfahrung nach sind Mädchen eher bereit, die Energie für eine schöne Schrift aufzubringen. Jungs hingegen sind zufrieden, wenn das Geschriebene irgendwie lesbar ist. Da Finger- und Handbewegungen sehr eng mit dem Sprachzentrum verbunden sind, haben Mädchen hier einen kleinen Vorteil, da sie typischerweise kommunikativer sind.

Individueller Begleitung

Ich spreche in meiner Praxis häufig mit Eltern, die sich um den Schriftspracherwerb ihres Kindes sorgen. Da es, wie gesagt, ein komplexes Thema ist, lässt sich selten eine isolierte Ursache ausmachen. Dennoch mache ich die Erfahrung, dass sich für das betroffene Kind mit gezieltem neurophysiologischem Training Verbesserungen einstellen können. Wenn Sie wissen wollen, ob ein solches Training Ihrem Kind helfen kann, lernen Sie mich am besten unverbindlich in einem ersten Telefonat kennen. Buchen Sie sich gerne ein kostenfreies 15-minütiges telefonisches Erstgespräch und wir besprechen in Ruhe, wie ich Sie und Ihr Kind unterstützen kann. Den Link zum Erstgespräch finden Sie direkt unter diesem Beitrag.