Nr. 217

Vielleicht ist Ihr Kind kein Klassenclown, sondern neurodivergent?

Wenn ein Kind im Unterricht ständig durch seine Faxen auffällt, bekommt es gerne mal den Stempel „Klassenclown“ verpasst. Für die Eltern bedeutet dies meist häufige Gespräche in der Schule. Klar, für Lehrkräfte und Mitschüler kann so ein Klassenclown zur Herausforderung werden. Doch Elterngespräche schaffen meiner Erfahrung nach keine Abhilfe. Was sollten Sie als Eltern denn auch tun? Im Unterricht neben Ihrem Kind sitzen? Wohl kaum! Und trotzdem muss für den Rest der Klasse irgendwie das konzentrierte Lernen ermöglicht werden. Ich kann Ihnen als Eltern oder Lehrkräfte nur ans Herz legen, einmal hinter die Kulissen zu schauen. Denn, zumindest nach meiner Erfahrung, gibt es für ein Kind sehr gute Gründe, zum Klassenclown zu werden. Und – Überraschung – Lehrkräfte, Eltern oder Mitschüler zu ärgern gehört nicht dazu!

Symptom-Marketing

Ich beschäftige mich nun schon seit weit über zehn Jahren schwerpunktmäßig mit Kindern, die irgendwie aus dem Raster fallen. Meist, weil sie trotz guter Intelligenz Lern- und Schulschwierigkeiten haben. Die Bandbreite ist dabei groß. Symptome erinnern häufig an ADHS, Autismus, Mutismus, Legasthenie, Dyskalkulie, Sprachentwicklungsverzögerungen oder Entwicklungsstörungen schulischer Fertigkeiten. Die Auswirkungen sind über die Jahre sehr ähnlich geblieben, die mediale Aufmerksamkeit auch. Dennoch beobachte ich ein gewisses Symptom-Marketing. Denn immer, wenn das Interesse an einem Begriff nachlässt, wir ein neuer ins Spiel gebracht.

Hehre Absichten

So ein neuer Begriff ist die Neurodivergenz oder auch Neurodiversität. Das Besteben hinter diesen neunen Begrifflichkeit ist durchaus lobenswert. Es ist nämlich der Versucht, neurologische Auffälligkeiten, wie beispielsweise ADHS, als individuelle Merkmale, ähnlich wie Haut- und Haarfarbe, zu sehen und eben nicht als Krankheit. Auch wenn ich das mit der Erfahrung aus meiner Praxis durchaus begrüße, stelle ich fest, dass Kindern damit sofort wieder ein anderer Stempel aufgedrückt wird. Denn wenn es „genetisch“ ist, ist es ja nicht änderbar. Und tatsächlich hatte ich unlängst ein Telefonat mit hilflosen Eltern, denen von der Lehrkraft gesagt wurde, dass man ihrem Kind eh nicht helfen könne, denn es sei ja eigentlich kein Klassenclown, sondern einfach neurodivergent. Und da kann man eben nichts machen. Pech gehabt.

Tatsächlich in einer anderen Welt

Betroffene Kinder leben tatsächlich in einer anderen, ihrer ganz eigenen, Welt. Doch weshalb sind sie in ihren Handlungsalternativen so limitiert? Die Ursachen dahinter sind meist komplex, so meine Erfahrung. Lassen Sie mich versuchen, die Hintergründen auf den kleinsten gemeinsamen Nenner runter zu brechen. Wie wir die Welt wahrnehmen ist uns nämlich nicht in die Wiege gelegt. Unsere Wahrnehmung müssen wir alle uns zu Anbeginn unseres irdischen Lebens erwerben und erarbeiten. Den Großteil dieser Arbeit erledigen wir typischerweise im Laufe des ersten Lebensjahrs. Leider ist dieser Entwicklungsprozess anfällig und kann ,beispielsweise durch eine einfache Erkältung, gestört werden. In der Folge kann es passieren, dass Entwicklungsschritte nicht oder nicht ausreichend durchlaufen werden. Und schwups! Schon können wichtige Bahnen für eine adäquate Reizverarbeitung fehlen. Da jegliche Reize, wie zum Beispiel alles Gesehene oder Gehörte, im Gehirn  verarbeitet und interpretiert werden muss und das Ergebnis dieser Interpretation Gefühle sind, leben wir alle in unserer ganz eigenen Wahrnehmungswelt. Kann auf Reize nun also nicht adäquat geantwortet werden, sind die Handlungsalternativen eingeschränkt, weil vielleicht auf eine alltäglichen Situation mit Angst reagiert wird.

Nicht veränderbar?

Ich mache durchaus die Erfahrung, dass solche Reaktionsmuster verändert werden können. In meiner Praxis erlebe ich, dass sich die fehlenden Entwicklungsschritte mit spezialisiertem Training nachreifen lassen. Eltern berichten mir von einer Verbesserung der Situation nach wenigen Trainingseinheiten. Wenn Sie wissen wollen, ob dieses Training auch Ihrem Kind helfen kann, lernen Sie mich am besten unverbindlich in einem ersten Telefonat kennen. Buchen Sie sich gerne ein kostenfreies 15-minütiges telefonisches Erstgespräch und wir besprechen in Ruhe, wie ich Sie und Ihr Kind unterstützen kann. Den Link zum Erstgespräch finden Sie direkt unter diesem Beitrag.

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