Nr. 223

Wahrnehmungstherapie ist mehr als Reflexintegration

Viele Eltern kommen auf mich, weil sie während der Recherche zur Symptomatik ihres Kindes irgendwann auf frühkindliche Reflexe gestoßen sind. Es ist vollkommen richtig, dass frühkindliche Reflexe, wenn sie nicht regelhaft abgelöst und integriert wurden, typische Symptome auslösen können. Dazu gehören unter anderem

  • Konzentrationsprobleme
  • Erschwerte Impulskontrolle
  • Entwicklungsverzögerung schulischer Fertigkeiten
  • Leseunlust
  • Schwierigkeiten beim Erwerb der Schriftsprache
  • Buchstabendreher
  • Rechenprobleme
  • Allgemeine motorische Unruhe
  • Tics
  • Verarbeitungs- und Wahrnehmungsstörungen

Es ist vollkommen richtig, dass dahinter unreife frühkindliche Reflexe stehen können. Allerdings mache ich in meiner Praxis die Erfahrung, wie wichtig es ist, möglichst vielschichtig zu Arbeiten und eben nicht „nur“ die frühkindlichen Reflexe zu integrieren. Drei Ansatzpunkte und weshalb ich sie für wichtig halte, stelle ich Ihnen in diesem Beitrag vor.

1. Impulskontrolle

Viele Kinder in meiner Praxis fallen besonders auch ihre mangelnde Impulskontrolle auf. Klar, wer im Unterricht einfach darauf los plappert, anstatt sich zu melden oder durch das Klassenzimmer läuft um dem Bewegungsdrang nachzugeben oder der kaum zu bändigende Klassenclown ist, ist nicht nur anstrengend für Lehrkräfte sondern auch ein Störfaktor für Mitschüler. Mir ist es wichtig, die schulische Situation zu beruhigen, bevor sie eskalieren kann, beziehungsweise sie schnell zu entzerren, falls sie schon eskaliert ist. Deshalb fließen bei meinen Übungen auch immer wieder Elemente der Selbstregulation mit ein. Dabei geht es mir primär nicht darum, Ruhe in die Unterrichtssituation zu bekommen, sondern dem Kind in meiner Praxis den Schulalltag zu erleichtern.

2. Kognitives Leistungspotential

Meiner Erfahrung nach sind betroffene Kinder allesamt klug. Doch trotz guter Intelligenz gelingt es ihnen nicht, den Anforderungen im Schulalltag stand zu halten. Typischerweise wissen diese Kinder ganz genau, dass sich nicht weniger klug sind als der Rest der Klasse. Dennoch gelingt ihnen vieles nicht, was dem Rest mühelos von der Hand zu gehen scheint. Sei es das Lesen oder Schreiben zu lernen oder den Zugang zu Zahlen zu finden. Zu allem Überfluss verschlimmert das ständige Üben typischerweise die Situation, anstatt sie zu verbessern Für betroffenen Kinder ist es ein Kampf gegen Windmühlen. Egal, wie sehr sie sich bemühen und egal, was sie ausprobieren, sie haben damit keinen Erfolg. Auch für Eltern und Lehrkräfte ist die Situation meist kaum zu erklären. Ich erlebe in meiner Praxis immer wieder, wie viel Kraft, Ausdauer und Konzentration betroffene Kinder für ihre Kompensationsstrategien aufbringen müssen. Daher sind Übungen, die die Vernetzung der Gehirnhälften, sowie das Erkennen von Serialität und Logik fördern, fester Bestandteil meiner Therapie.

3. Visuelles System

Wenn ein Kind Buchstaben verdreht, einzelne Buchstaben oder Endungen weglässt, ganze Wörter oder Zeilen überspringt, wird das oft mangelnder Konzentration zugeschrieben. Natürlich spielt die Konzentration hier mit rein. Allerdings kann ein Kind, das unzureichende Seheindrücke hat, vielleicht mache Buchstaben nicht in der richtigen Reihenfolge erkennen oder erkennt mache Buchstaben, Endungen oder ganze Wörter einfach nicht. Gute Seheindrücke entstehen aus dem harmonischen Zusammenspiel der einzelnen Sehfunktionen. Die Sehschärfe ist dabei die einzige Sehfunktion, die typischerweise überprüft wird, meist ohne Ergebnis. Wenn die Sehfunktionen jedoch nicht als Team zusammenarbeiten, kommt es zu fehlerhaften Informationen im Gehirn. Und wie soll ein betroffenes Kind etwas richtig zu Papier bringen, wenn es die Vorlage nicht richtig erkennen kann? Deshalb ist das Training der Sehfunktionen als gut funktionierendes Team ebenfalls Bestandteil meiner Therapie.

Wahrnehmungstherapie ist mehr

Hinter all diesen Themen stecken meiner Erfahrung nach nicht regelhaft durchlaufene Entwicklungsschritte. Aus unterschiedlichen Gründen konnten einzelne Schritte der individuellen Entwicklung nicht oder nicht ausreichend durchlaufen werden. Dabei kann es unter anderem auch zum Fortbestehen frühkindlicher Reflexe kommen. Typischerweise steck noch mehr dahinter. Ich mache in meiner Praxis die Erfahrung, dass sich diese fehlenden Entwicklungsschritte mit spezialisierten Therapiekonzepten nachreifen lassen. Wenn Sie wissen wollen, ob damit auch Ihrem Kind geholfen werden kann, lernen Sie mich am besten unverbindlich in einem ersten Telefonat kennen. Buchen Sie sich gerne ein kostenfreies 15-minütiges telefonisches Erstgespräch und wir besprechen in Ruhe, wie ich Sie und Ihr Kind unterstützen kann. Den Link zum Erstgespräch finden Sie direkt unter diesem Beitrag.

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