Nr. 214

Weshalb es immer mehr Erwachsene mit ADHS gibt

Aktuelle Zahlen legen nahe, dass sich die Zahl der von ADHS betroffenen Erwachsenen in den letzten zehn Jahren verdreifacht hat. Die Studienmacher führen diesen Anstieg darauf zurück, dass ADHS mehr in den öffentlichen Fokus gerückt ist und eine gewissen Sensibilisieren für das Thema stattgefunden hat. Und ja, ich stimme  überein, dass ADHS bei Erwachsenen sozusagen salonfähig und der Umgang damit offener geworden ist. Das ist auch gut so. Dennoch fällt es mir schwer zu glauben, die gesteigerte Aufmerksamkeit für ADHS sei der einzige Grund für den rasanten Anstieg. Nur falls Sie jetzt erwarten, im Folgenden Kritik an Schulmedizin und Pharmaindustrie zu lesen, muss ich Sie enttäuschen. Meines Erachtens gibt es durchaus einige Gründe, die in unserem modernen Lebenswandel liegen.

Multitasking und Flexibilität

Viele Erwachsene sehen sich bis heute im Job mit der Forderung nach Multitasking und möglichst großer Flexibilität konfrontiert. Unser modernes Wirtschaftsleben fordert selbstverständlich ein hohes Maß an Anpassungsfähigkeit. Dennoch ist unser Gehirn nicht dafür geschaffen, zwei kognitive Prozesse gleichzeitig laufen zu lassen. Wir können beispielsweise nicht gleichzeitig konzentriert lesen und rechnen. Wir müssen eines nach dem anderen erledigen. Leider verführt uns ein großes Arbeitspensum zu dem Irrtum, doch irgendwie beides zu schaffen. Mit dem Ergebnis, dass wir weder das eine noch das andere richtig machen, unser Gehirn damit aber völlig überfordern. Falls Sie nun einwenden wollen, dass Sie durchaus in der Lage sind, sich währen eines Spaziergangs zu unterhalten und Sie das keine große Anstrengung kostet – stimmt. Dabei kombinieren Sie jedoch einen kinetischen (gehen) mit einem kognitiven (sprechen) Prozess, wobei ersterer auch noch automatisiert ist.

Mangelnde Langeweile

Wer sich langweilt hat nichts zu tun, ist faul und ein Nichtsnutz. So oder so ähnlich scheint es sich in unseren Köpfen manifestiert zu haben. Aber mal Hand aufs Herz, wann hatten Sie zum letzten Mal Langeweile? Oder noch besser, wann hatten Sie zum letzten Mal so richtig Ihre Ruhe? Zeit, Ihren Gedanken nachzugehen, ohne Störung, ohne Ablenkung? Und wie oft nehmen Sie Ihr Handy in die Hand, um beispielsweise den Wetterbericht zu sehen und stellen eine Stunde später fest, dass Sie sich irgendwie in den sozialen Medien vertrödelt haben? Es ist nun eimal unsere Zeit. Wir sind immer und überall erreichbar, wollen die Welt an unserem Leben teilhaben lassen, weil es uns das Gefühl gibt, wichtig zu sein und vielleicht schon bald so bekannt zu sein wie yx. Und falls wir nicht nach dem Rampenlicht streben, genießen wir voyeuristisch das Hochlanzleben andere. So oder so darf kein Posting, keine Nachricht verpasst werden. Also liegt das Handy immer griffbereit und reißt uns regelmäßig mit einem Ping aus unseren Gedanken.

Informationsflut

Im Berufsleben meiner Mutter gab es noch nicht einmal Faxgeräte. Man musste Briefe schreiben, die mindestens drei Tage unterwegs waren. Fernsehen war selbst zu meiner Kindheit meist noch schwarzweiß, da Farbfernseher sündhaft teuer waren. Ich bin noch mit drei Fernsehprogrammen aufgewachsen und damals las man tatsächlich noch eine geruckte Zeitung. Was ich damit sagen will, die Zeit schien langsamer zu laufen. Man konnte nicht jede Information eben mal googeln und viele Dinge bekam man auch einfach nicht mit oder die Information war schon überholt, bevor sie ankam. Heute ist das anders. Jede Information ist nur einen Klick entfernt. Das heißt für unser Gehirn aber auch, dass es viel mehr Informationen verarbeiten, priorisieren und kanalisieren muss. Kein Wunder, dass es dabei manchmal überfordert und unaufmerksam ist und wir irgendwie mal die angesammelte Spannung los werden müssen.

Neurophysiologische Defizite

Aufgrund unterschiedlicher Störfaktoren in der individuellen Entwicklung kann es passiert sein, dass Entwicklungsschritte nicht ausreichend durchlaufen oder gleich ganz übersprungen wurden. In der Folge können Reize nicht adäquat wahrgenommen, weitergeleitet, verarbeitet und beantwortet werden. Eine Reizüberflutung des Gehirns kann begünstigt werden. Die Auswirkungen zeigen sich unter anderem in der Konzentration, der Impulskontrolle und dem Sozialverhalten. Ich mache in meiner Praxis die Erfahrung, dass sich diese fehlenden Entwicklungsschritte mit spezialisiertem Training nachhaltig nachreifen lassen. Wenn Sie wissen wollen, ob dieses Training auch Ihnen helfen kann, lernen Sie mich am besten unverbindlich in einem ersten Telefonat kennen. Buchen Sie sich gerne ein kostenfreies 15-minütiges telefonisches Erstgespräch und wir besprechen in Ruhe, wie ich Sie unterstützen kann. Den Link zum Erstgespräch finden Sie direkt unter diesem Beitrag.

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