Nr. 188

Wie sich eine Verarbeitungs- und Wahrnehmungsstörung (VWS) auf das Selbstbewusstsein auswirkt

Wer unter einer VWS leidet kann aufgenommene Sinnesreize nicht regelhaft verarbeiten. Typischerweise sind die Sinnesorgane selbst dabei voll funktionsfähig, es hapert an der Reizleitung, -verarbeitung und -interpretation. Um zu verdeutlichen, dass dadurch Kraft, Zeit und Konzentration verbraucht werden, erkläre ich das in meiner Praxis gerne mit einer fehlerhaften E-Mail-Adresse. Stellen Sie sich vor, Sie haben sich bei einer E-Mail-Adresse in dem Teil vor dem At-Zeichen vertippt. Nun landet die E-Mail zwar im richtigen Unternehmen, aber nicht bei der richtigen Person. Wenn Sie nun Glück haben, gibt es eine Catch-All-Funktion, die noch dazu betreut wird. Dann macht sich vermutlich irgendwann irgendjemand die Mühe, Ihre E-Mail an den richtigen Empfänger weiterzuleiten. Das braucht allerdings Zeit und kostet zusätzliche Arbeit. So ähnlich ist das auch bei einer VWS.

Interpretation

Was bei den Sinnesreizen eine weitere Herausforderung sein kann, ist dass sie im Gehirn adäquat verarbeitet und interpretiert werden müssen. Das Ergebnis dieser Interpretation sind Gefühle. Genau diese Gefühle können problematisch sein. Wird ein Reiz, sagen wir mal eine leichte Berührung des Armes, fälschlich als gefährlich interpretiert und in Schmerz übersetzt, wird das Kind für Außenstehende völlig über reagieren und vielleicht mit schmerz verzerrtem Gesicht den Arm zurückziehen. Die Aufforderung, sich nicht so anzustellen, hilft ihm dabei kein bisschen weiter. Denn in seiner Empfindung war die Berührung nun einmal schmerzhaft, ihm bleibt keinen Handlungsalternative. Ähnliche Probleme entstehen bei allen anderen Sinnesreizen, die nicht korrekt verarbeitet werden können. Kommt es zu Fehlinterpretationen im visuellen Bereich, entstehen beispielsweise keine sauberen Seheindrücke und bei Problemen im auditiven Bereich können einzelne Laute eventuell nicht richtig diskriminiert werden.

Andersartigkeit

Wie gesagt, dem betroffenen Kind fehlen die Handlungsalternativen. Es ist quasi in seinem eigenen Erleben gefangen. Es reagiert ständig anders, als sein Umfeld, oder kann Schul- und Alltagsaufgaben trotz guter Intelligenz nicht oder nur langsam bewerkstelligen. Noch dazu hat es häufig das Gefühl, die Erwartungen der anderen nicht erfüllen zu können. Meiner Erfahrung nach sind sich diese Kinder ihrer Andersartigkeit durchaus bewusst. Sie können sehr darunter leiden, dass es ihnen, trotzt aller Bemühungen, nicht gelingt, erwartungsgemäß zu reagieren beziehungsweise Aufgaben zu erledigen. Sie benötigen immer mehr Kraft, mehr Konzentration, mehr Zeit und mehr Ausdauer. Dadurch sind sie schneller erschöpft und leichter reizbar.

Selbstbewusstsein

Wer selbstbewusst ist kann sich und seinen Fähigkeiten vertrauen. Bei einer VWS ist das Selbstbewusstsein, der Glaube und das Vertrauen in die eigenen Fähigkeiten meiner Erfahrung nach meist angeknackst. Kinder erzählen mir dann zum Beispiel, dass sich gar nicht verstehen können, weshalb alle anderen schon lesen können, nur sie selbst noch nicht. Sie erzählen mir von ihrem Frust, ihrer Machtlosigkeit und manchmal auch, dass sie aufgegeben haben, sich selbst und das Lernen sowieso.

Mögliche Ursachen

Ich erlebe immer wieder, dass betroffenen Kinder einzelne Entwicklungsschritte der frühkindlichen Entwicklung nicht oder nicht ausreichend durchlaufen haben. Das kann deshalb ein Problem sein, weil Wahrnehmung und ihre Verarbeitung erlernt und erworben werden muss. Fehlen frühkindliche Entwicklungsschritte, kann es zu Lücken im Bauplan kommen, die wiederum die adäquate Weiterleitung, Verarbeitung und Interpretation von Sinnesreizen beeinträchtigen können.

Individueller Lösungsansatz

Ich mache in meiner Praxis auch die Erfahrung, dass sich diese fehlenden Entwicklungsschritte mit spezialisiertem Training nachreifen lassen. Eltern berichten mir von einer Verbesserung der Situation nach wenigen Trainingseinheiten. Wenn Sie wissen wollen, ob dieses Training auch Ihrem Kind helfen kann, lernen Sie mich am besten unverbindlich in einem ersten Telefonat kennen. Buchen Sie sich gerne ein kostenfreies 15-minütiges telefonisches Erstgespräch und wir besprechen in Ruhe, wie ich Sie und Ihr Kind unterstützen kann. Den Link zum Erstgespräch finden Sie direkt unter diesem Beitrag.

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