Jüngst gab es wieder eifrige Diskussionen, ob und wenn ja, ab welchem Alter, Kinder Zugang zu sozialen Medien haben sollten. Ich verstehe den Wunsch nach stattlicher Restriktion vieler Eltern. Schließlich ist damit jegliche Diskussion direkt mit einem „das verbietet das Gesetz“ vom Tisch. Das weit aus größere Problem, nämlich dass der Umgang mit sozialen Medien gelernt werden muss, bleibt hierbei gänzlich unbeachtet. Nun ist es so, dass hinter den sogenannten sozialen Medien keinesfalls sozial ausgerichtete Institutionen stecken, sondern knallharte Wirtschaftsunternehmen, die ihr Geld mit unseren Daten und ihren Werbeanzeigen verdienen. Wenn man einmal kurz darüber nachdenkt, ist schnell klar, dass deren Interesse sein muss, uns so lange wie möglich auf ihrer Seite zu halten. Das funktioniert bei uns Erwachsenen genauso wie bei Kindern: Endlos aneinander gereihte kurze Filmchen. Was nicht gefällt, wird weitergewischt. Damit trainieren wir den Algorithmus auf unsere Vorlieben und bekommen immer mehr Filmchen zu sehen, die uns gefallen. Nun könnte man sich darüber grundsätzlich freuen, nur leider ist das nicht ganz so unproblematisch.
Suchtpotential
Die sozialen Medien spielen absichtlich mit unserem Suchtpotential. Durch die schnelle Verfügbarkeit der „gefällt mir Filmchen“ muss das Gehirn keine Langeweile aushalten. Der nächste Dopaminkick ist nur ein Weiterwischen entfernt. Super für die sozialen Medien, desaströs für unser Sozialleben.
Mangelnde Distanz
In den sozialen Medien kennt jeder jeden, irgendwie. Nur kann man nunmal keine 800 oder mehr Freundschaften pflegen. Zumindest nicht im wahren Leben. So kommt es zu einer gewissen Distanzlosigkeit. Denn die vielen „Freunde“ liegen mir nicht wirklich am Herzen, wenn ich sie nicht einmal persönlich kenne. Damit sind den weniger wertschätzenden Kommentaren Tür und Tor geöffnet.
Konzentration
Meines Erachtens ist das größte Problem jedoch, dass wir mehr und mehr in eine Art „Tempospirale“ eingesogen werden. Unsere Zeit ist eh schon sehr kurzzyklisch. Als Briefe das Kommunikationsmittel der Wahl waren, hat deren Beantwortung nun einmal einige Tage gebraucht und schon alleine deshalb hatte man Zeit, sich seine Antwort gut zu überlegen. Heute werden die meisten Nachrichten innerhalb weniger Sekunden oder Minuten beantwortet. Das stresst allerdings unser Gehirn. Diese schnellen Wechsel zur nächsten Nachricht oder zum nächsten Filmchen, ohne Pause, sorgen dafür, dass es uns immer schwerer Fällt, bei einer Sache zu bleiben. Ausdauer? Konzentration? Fokus? Fehlanzeige! Schnell wird weitergewischt, bloß keine Langeweile, Tempo, Tempo, Tempo! Leider verharrt unser Gehirn in diesem „Husch-Husch-Modus“ dann eben auch im Alltag oder bei Dingen, die mehr von unserer Aufmerksamkeit benötigen, wie beispielsweise eine 45-minütige Schulstunden, die eben nicht einfach weitergewischt werden kann.
Gesunder Umgang
In meiner Praxis rate ich Eltern, für die ganze Familie einen gesunden Umgang mit Medien (ganz grundsätzlich) zu finden. So kann es zum Beispiel die Vereinbarung geben, dass bei gemeinsamen Mahlzeiten keine Handys mit am Tisch sind. Meist sind es dann doch die Kleinigkeiten, die einen Unterschied machen.
Weshalb manche Kinder besonders anfällig sind
Ich beobachte immer wieder, dass besonders Kinder mit Defiziten in der Wahrnehmungsverarbeitung anfällig für das Suchtpotential der sozialen Medien sind. Das liegt unter anderem daran, dass sie besonders leicht ablenkbar sind und die schnellen Wechsel der Filmchen ihnen eine gewisse Befriedigung verschaffen. Meiner Erfahrung nach basieren diese Defizite häufig auf übersprungenen oder nicht ausreichend durchlaufenen Entwicklungsschritten.
Individueller Lösungsansatz
Ich mache in meiner Praxis die Erfahrung, dass hinter alle dem unzureichend durchlaufene oder fehlende Entwicklungsschritte stehen. Ich erlebe täglich, wie sich diese fehlenden Entwicklungsschritte mit spezialisierten Therapiekonzepten nachreifen lassen. Eltern berichten mir von einer Verbesserung der Situation nach wenigen Therapieeinheiten. Wenn Sie wissen wollen, ob damit auch Ihrem Kind geholfen werden kann, lernen Sie mich am besten unverbindlich in einem ersten Telefonat kennen. Buchen Sie sich gerne ein kostenfreies 15-minütiges telefonisches Erstgespräch und wir besprechen in Ruhe, wie ich Sie und Ihr Kind unterstützen kann. Den Link zum Erstgespräch finden Sie direkt unter diesem Beitrag.
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